Marie & Die Steine_1.1

Marie & Die Steine

Marie ist ein kleines Mädchen das auf dem Zaubersternhof etwas ruhen und erholen darf, weil Ihre Eltern im Moment sehr viel zu tun haben. Auf dem Hof hat sie ganz schnell Freunde gefunden, da ist Pünktchen, mit dem sie auf der Suche nach seinem abtrünnigen Vertrauen war. Dann haben sie die Leichtigkeit getroffen, und den kleinen Mäuserich Pipo.

Die Leichtigkeit ist eigentlich ein Teil von Marie. Leider hat Marie sie vor langer Zeit verloren und nun sitzt ihr die Angst auf dem Herzen, sodass sie die Leichtigkeit im Moment nicht annehmen kann.

Pipo ist zwar von der Körpergröße sehr klein, aber sein Geist, sein Wissen und die Erfahrung seiner gesamten Vorfahren sind immens groß. Er ist gerade dabei Marie zu zeigen, wie sie die Angst aus ihrem Körper ausquartieren kann und wie so Raum für die Leichtigkeit frei werden kann. Das zeigt uns allen wieder, dass es bei weitem nicht alleine auf die Körpergröße ankommt.

Auf dem Weg zum Angst ausräumen hat Marie entdeckt, dass in ihrer Angst (sie hat sie als Erdklumpen mit Steinen beschrieben) wahre Schätze verborgen sind, die sie selbst schon lange vermisst hatte und verloren glaubte.

So hat sie als ersten Stein einen rosaroten mit weißen Adern durchzogen wiedergefunden, in welchem sich ihre Liebe versteckt hatte. Sie konnte nicht mehr frei fließen, und daher musste sie als Stein in dem Klumpen vor Maries Herzen bleiben und war nicht mehr fähig zu den Stellen in Marie zu wandern, die sie gerade so sehr gebraucht haben.

Aber wisst ihr was das Schöne ist? In dem Moment, wo Marie das erkannt hat, durfte die Liebe auch wieder zu ihr hinein. In ihr Herz, in ihren ganzen Körper. Was glaubt ihr macht das mit Maries Körper? Ihr könnt euch das ungefähr so vorstellen, wie wenn Abermillionen von Scheinwerfern angehen und jede einzelne Körperzelle – ob Haare, Nägel, Knochen, Blut oder Muskel und alle anderen innerlich zu leuchten beginnen. Es ist wie wenn das Licht angeht, in jeder eurer kleinsten Einheiten.

Marie beginnt fast augenmerklich innerlich zu strahlen und ihre umstehenden Begleiter machen vor Staunen ganz große Augen. Pipo reibt sich zufrieden die Hände und freut sich.

„So Marie, und jetzt gucken wir uns die nächsten Steine an.“ Meint Pipo. „Welcher meldet sich denn als nächstes?“

Der relativ dunkle Stein mit den weißen Adern durchzogen meldet sich als nächstes bei Marie. Er hat die Form einer Pfeilspitze und pikst ganz schön.

„Marie, bitte gib mich zurück. Ich gehöre gar nicht zu Dir und fühle mich bei Dir ganz verloren. So lange schon versuche ich mich bei Dir bemerkbar zu machen, aber ich konnte mir bis jetzt kein Gehör verschaffen, auch wenn ich einige Male versucht habe Dich zu piksen. Es liegt in meiner Natur zu stechen und zu kratzen, weil ich eine Botschaft aus der Vergangenheit in mir trage. Diese Botschaft ist aber nicht für Dich bestimmt Marie. Bitte gib mich zurück in die Erde. Lass mich dort ruhen und rasten bis mich mein wahrer Eigentümer, der mich so dringend braucht, wiederfindet.“

Gesagt – getan. Marie ist natürlich nichts lieber, als den Stein abgeben zu dürfen. Sanft kniet sie nieder und hebt ein wenig Erde mit den kleinen Händen auf und gräbt für den Stein eine kleine Mulde in die Erde. Sie legt ihn hinein und verabschiedet sich.

Pipo ist furchtbar stolz auf Marie. Er sagt, „Marie, so schnell und einfach wie Du das gerade machst, so etwas kenne ich gar nicht. Darf ich das, was ich heute bei Dir sehe mit der Feldmausakademie teilen? Ich würde mir so sehr wünschen, dass meine Schüler ähnlich schnell arbeiten. Wenn ich nicht sehen würde, dass die Leichtigkeit noch hier bei uns steht, dann hätte ich jetzt fast gesagt, Du arbeitest mit Leichtigkeit Deinen Ballast ab. Meldet sich denn jetzt noch ein Stein?“

Marie schließt wieder kurz ihre Augen und konzentriert sich auf ihr Inneres. Da ist ein gelber, klobiger und kantiger Stein, der in ihrem inneren Bild immer präsenter wird. Allerdings spricht der noch nicht mit Marie. Sie öffnet kurz die Augen und erzählt das ihren Freunden.

„Pipo, was soll ich jetzt tun? Er ist da – ich nehme ihn war, aber er sagt nichts. Er ist einfach da und bewegt sich nicht. Ich will ihn so gerne wegschieben, aber egal was ich versuche – ich kann ihn nicht greifen und nicht bewegen. Fast so, als müsse er freiwillig das Feld räumen.“ Sagt Marie.

Pünktchen bellt, „Ja und wenn Du ihn anschreist? Geht er dann?“
Die Leichtigkeit meint, „Ach Pünktchen, schreien bringt doch nie etwas. Da fällt uns was Besseres ein. Marie, versuch doch mal Dich in den Stein richtig hineinfallen zu lassen. Geh mit Deiner Aufmerksamkeit zur Hülle des Steins. Wie sieht die aus? Und dann gehst Du in die nächste Schicht darunter, und wieder darunter. Bis Du im Herz des Steines angekommen bist.“

Marie versucht auf den Rat der Leichtigkeit zu hören und schließt wieder die Augen. Sie spricht mit ihren Freunden in einer ganz ruhigen Tonlage, um den Stein nicht zu erschrecken und beschreibt ihnen den Weg, den sie ins Innere des Steines geht.

„Die Hülle ist eigentlich wie Gelee. Nur eine Membran in die ich eintauchen kann wie gelbe Götterspeise. Das ist aber nur eine weitere Schicht, dann geht es in ein harzartiges Gewebe, zwar mit starren Kristallen hier und dort, aber für mich ist es wie wenn ich mit dem Buttermesser durch die Butter fahre. Ich sinke gerade immer weiter in den Stein hinein. Halt, jetzt bin ich wo angekommen. Vor mir ist ein kleiner harter Brocken, der sieht aus wie ein Stück Kohle. Da komme ich nicht hinein. Ist das das Herz des Steins?“

Pipo meldet sich zu Wort und meint, „Frag mal dieses Kohlestück, was es braucht und wenn Du keine Antwort bekommst, dann gib ihm bitte einen Schupps und bring ihn wieder in Bewegung.“

Marie versucht Pipos Rat zu folgen und meint dann, „Der braucht nichts, zumindest sagt er nichts. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ihm vielleicht ein wenig Liebe gut tun würde. Und da ich die ja gerade kennen lernen durfte, bitte ich sie jetzt ein wenig zu dem Kohlestück im Inneren des Steines zu gehen, damit ihm auch wieder warm ums Herz werden kann.“

Marie ist ganz konzentriert auf ihr Inneres und ihre Freunde sind wieder mit der vollen Aufmerksamkeit bei Ihr. Marie merkt das, weil ihr richtig warm wird. Es kribbelt in ihrem ganzen Körper und genau dieses Gefühl schickt sie dem Herzen des Steines auch weiter.

Auf einmal fängt die Kohle außen zu bröckeln an und es ist fast wie eine kleine Explosion. Damit befreit sich das Herz des Steines von den Ablagerungen und kommt wieder in eine neue Form. Marie staunt. Der gelbe Stein beginnt von innen zu leuchten. Fast sieht es so aus, wie wenn Du im Inneren eines Glases eine Kerze anzündest. Nur eben ohne Feuer, und ohne Kerze direkt aus dem Stein heraus.

Marie und ihre Freunde hören eine leichte Melodie. „Dankeschön. Liebe heilt alles.“ Dann löst sich der gesamte Stein auf. Es bleibt nur ein leuchtendes Licht und das auch nur einen Augenblick und dann ist er weg. Pünktchen bellt, „Na so etwas, jetzt hat sich das Ganze einfach in Nichts aufgelöst. Jetzt weiß ich warum der Herr immer vom Alles und Nichts spricht. Ich hab so etwas noch nie erlebt.“

Jetzt fängt der runde vom Fluss geschliffene Stein in Maries Hand an zu pochen. „Marie, Marie – ach, ist das schön gehört zu werden! Ich sehne mich schon so lange wieder nach dem Wasser. Es gibt gar keinen Grund, dass ich bei Dir bin und auch noch Dein gutmütiges Herz belaste. Ich bin irgendwann zufällig bei Dir hängen geblieben und nun hast Du mich doch schon eine ganze Weile mitgetragen. Ich habe mich so wohl gefühlt im Wasser es hat mir alle rauen Stellen genommen und mich ganz sanft und rund gemacht. Wärst Du wohl so freundlich mich dort hinten in diesen wunderbar, glitzernden, herrlich erfrischenden Bach zu setzen?“

Marie sieht erstaunt auf den Stein und auf ihre Freunde. Pipo, Pünktchen und die Leichtigkeit sind selbst ganz überrascht, dass es so etwas gibt. Ist der Stein doch nur aus Versehen bei Marie gelandet. Ganz unnötiger Ballast für ihre Freundin. Die Leichtigkeit ist ganz gerührt und hat sogar kleine Tränen in den Augen. Sie spürt, dass Marie leichter wird und bald wieder Platz für sie hat und freut sich ungemein darauf, wieder ein Teil von Marie zu sein.

Marie trägt den runden pochenden Stein sanft in ihren Händen und geht einige Schritte zurück zu dem alten Baum, der die Brücke über den Bach bildet.

„Hallo Marie,“ begrüßt sie der alte Baum. „Schön das Du mich so schnell wieder besuchst. Kann ich Dir irgendwie helfen?“

„Hallo lieber Baum“, Marie berührt mit einer Hand sanft seine luftigen Wurzeln. „Ich bin auf der Suche nach einer guten Stelle im Bach für diesen Stein. Er fühlt sich so wohl im Wasser und möchte wieder zurück. Kennst Du vielleicht eine Stelle, mit ein wenig Sonne, die dem Stein gefallen könnte?“

„Sieh her Marie,“ meint der Baum und öffnet seine Äste ein wenig, sodass Marie fast wie auf Stufen aus seinem Holzstamm ganz nah an den Bach heran kommt. „Das hier ist der Platz, an dem die Vögel so gerne sitzen und im Wasser plantschen. Auch der Frosch vom Teich kommt mich hier oft besuchen. Meinst Du Deinem Stein könnte es hier gut gefallen und er könnte sich vielleicht sogar vorstellen, dass der Frosch dann auf ihm seine nächtlichen Melodien singt? Hier scheint die Sonne den ganzen Tag. Glaubst Du würde sich Dein Stein hier wohl fühlen?“

Marie blickt auf den Stein, fühlt sein Pochen, das ihr ganz klar „JA, JA, bitte!“ zu verstehen gibt. Marie klettert die Stufen hinunter und legt den Stein in den Wasserlauf. Sie merkt noch, wie er die ersten Wassertropfen geradezu aufsaugt und sich ganz schnell auf den Grund sinken lässt und dabei voller Genuss das ihn umspülende Wasser auskostet.

Marie fühlt sich auf einmal so erleichtert und geniest noch ein wenig das klare, erfrischende Wasser, das ihre Hände umspült. Sie bemerkt, dass sich das, was sie als Dreckklumpen empfunden hat auf einmal von ihr löst. Es ist, wie wenn es nun keine Berechtigung mehr hat, da Marie nicht mehr von den Steinen beschützt werden muss.

Marie klettert vorsichtig die Stufen des Baumes wieder hinauf und geht zu ihren Freunden auf die Wiese zurück. Ihr Herz ist jetzt fast komplett frei, nur ein kleiner Bergkristall meldet sich noch bei Marie. Sie möchte seine Botschaft mit ihren Freunden absprechen, weil es für Marie so ungewöhnlich ist, was der Bergkristall da von sich gibt.

Wenn Ihr Marie weiter folgen wollt, neugierig auf den Bergkristall seid, und wissen wollt wie die Leichtigkeit zurück zu Marie kann, dann schaut in ein paar Tagen nochmals vorbei. Solltest Du oder Dein Kind eigene Bilder und Impressionen von Marie erhalten haben, dann nimm Dir ein Blatt Papier und Stifte und schick uns Deine Bilder an info@zaubersterne.org. Deine Bilder werden Teil der Geschichte von Marie & Die Zaubersterne.