Marie&Die Zaubersterne_Leichtigkeit150x150

Marie & Die Leichtigkeit

Unsere letzte Geschichte endet mit dem Treffen von Marie und der Leichtigkeit auf der Wiese auf der anderen Seite des Baches. Pünktchen ist voller Vertrauen – hat er es doch endlich wiedergefunden und durfte durch die Leichtigkeit, die so weiß gelb glitzert jetzt auch noch ihre Qualität erfahren.

Marie spürt ganz ungewöhnliche Sachen in ihrem Körper. Sie ist nervös und es läuft ihr heiß und kalt innen und außen über den Körper. Angefangen hat es bei dem lieben alten Baum, der von seinem Dasein und seinem Platz hier auf der Wiese, seiner Heimat, erzählt hat. Dabei hat Marie da erste Mal gespürt, was es heißt anzukommen.

Maries Eltern sind im Moment sehr beschäftigt und daher ist sie gestern am Zaubersterne Hof angekommen. Sie hat sich frühmorgens mit Pünktchen, einem kleinen braunen liebenswerten Hund auf die Suche nach seinem abtrünnigen Vertrauen gemacht. Die Wiedervereinigung war wunderbar – eine Sternengeburt – und jetzt sind Marie und Pünktchen neugierig auf das zweite Etwas, das mit Pünktchens Vertrauen gespielt hat und sich Leichtigkeit nennt.

Marie ist nun wieder etwas mutiger geworden. Und fragt die Leichtigkeit, „Wer bist Du genau? Ich kenne keine Leichtigkeit. Was machst Du bzw. wieso bist Du hier?“

„Meine liebe Marie“, fängt die Leichtigkeit an mit sanfter Stimme zu sprechen. „Ich weiß schon, dass Du mich leider nicht mehr kennst. Ich war früher ein Teil von Dir. Damals, als Du noch alles mit strahlenden Kulleraugen betrachtet hast und nur die ganze Welt entdecken wolltest. Damals, als Du Dir noch sicher warst, dass niemals etwas oder jemand Dich und Deine Mama oder Deinen Papa trennen könnte. Damals warst Du noch voller Vertrauen und Energie und hast keinen einzigen Gedanken an Regenwetter verschwendet. Du hast angenommen was da war und das Beste für alle daraus gemacht. Wie oft hast Du Deine Oma, die krank war, aber auf Dich aufgepasst hat, zum Lachen gebracht und keine Seele konnte Dir jemals böse sein. Du hast alle verzaubert – mit mir.

Ich bin das, was Dich aufhebt, wenn Du fällst. Ich bin das, was Dich zum tanzen und hüpfen bringt wenn Du Musik in Deinem inneren Ohr hörst. Ich bin das, was Dir so gut tut und Deinem Körper das Gefühl gibt federleicht zu sein. Ich bin das, was Dir in Deinem Herzen die Richtung zeigt, dich mal nach links und mal nach rechts führt, sodass Du die ganze Welt entdecken kannst. Ich bin das, was Dich inne halten lässt, wenn Du eine schöne Blüte siehst. Was Dich darauf aufmerksam macht und Dich daran riechen lässt. Ich bin die innere Stimme, die Dir sagt, wenn andere sagen Du hast was falsch gemacht, ok – es ist. Aber ich mache das Beste draus und es wird auch einen Nutzen haben. Ich bin die Melodie, die Dich zum Tanzen bringt genauso wie die Füße die Dich tragen mit leichtem Schritt. Ich bin der Geschmack von Kirschtorte den Du so sehr liebst, ich bin der Blick den Deine Mama Dir zuwirft, wenn sie Dich umarmt und herzt. Ich bin die Hand Deines Vaters, wenn er ganz bei Dir ist und Dich hält und beschützt. Ich bin das, was in Deinen Blicken ausstrahlt und die anderen Menschen im Herzen berührt. Ich gehe über Dein Herz mitten ins Herz Deines Gegenübers. Ich bin Dein Lächeln – der kürzeste Weg zwischen zwei Wesen.“

Marie hatte schon anfangs den Kopf gesenkt, als die Leichtigkeit aus Ihrer frühen Kindheit erzählt hat. Damals, ja damals war alles noch so einfach für sie, denkt Marie. Sie kennt alles, was ihr die Leichtigkeit beschreibt. Wie sehr hat sie diese Momente genossen. Für sie war es dann als wäre ihr Körper eine ganze Ameisenkolonie so hat es gekribbelt, aber es waren nur lauter kleine elektrische Impulse die ihren ganzen Körper befahren haben. Wie kleine Autos auf den Nervenleitungen sind die Impulse hin und her geflitzt. Warum nur hat sich das verändert?

Marie grübelt. Findet aber keine Antwort in sich und schaut nun das erste Mal auf und der Leichtigkeit in die Augen.

„Ich erinnere mich“ sprach Marie mit leiser Stimme. „Ich weiß genau wer Du bist, wie Du Dich anfühlst, was Du jemals zu mir gesagt hast und in welchen Momenten Du am meisten für mich getan hast. Aber ich weiß nicht mehr und kann mich einfach nicht erinnern, seit wann Du nicht mehr da bist. Du fehlst mir.“

Pünktchen beobachtet die Beiden aufmerksam. Auch eine kleine freche Maus hat sich aus Ihrem Erdenloch hervorgewagt und beobachtet die seltsame Versammlung.

„Meine liebe Marie“ erklärte die Leichtigkeit. „Im Prinzip war es wie ein Paukenschlag der für Deine Ohren nicht hörbar war der mich aus Dir vertrieben hat. Ich habe noch nicht so lange bei Dir gewohnt, weil Du ja noch so klein warst. Dann war auf einmal so vieles im außen was gezerrt hat und Dich gebannt hat. Deine gesamte Aufmerksamkeit ging von Dir und somit auch mir weg. Du hattest soviel zu tun, überhaupt noch alles zu bekommen, was Du brauchtest an Nahrung und Gesprächen, genauso wie an Besuchen und vertrauten Menschen für Dich, dass ich eines Nachts, als ich gerade auf meinem Erholungsort war, nicht mehr bei Dir eingelassen wurde. Ich hatte keine Chance mehr mit Dir zu kommunizieren. Du hast mir nicht mehr in die Augen schauen können. Es war plötzlich, als leben wir in zwei verschiedenen Welten. Ich ging dann zu meinen Freunden und wir hielten Rat, was ich denn machen könnte. Leider war in diesem Moment nicht mehr die Zeit zu reagieren und mit Dir zu kommunizieren. Alles was ich tun konnte war genau auf diesen Moment jetzt zu warten. Ich wusste wir würden uns wieder begegnen und das die Magie zwischen uns wieder aktiviert wird. Sag Marie, hast Du die Magie gespürt, wenn wir uns ansehen?“

„Ja. Ich spüre Dich.“ Sagt Marie „Ich habe ein ganz komisches Gefühl, wenn ich Dich ansehe und irgendwie kenne ich Dich ganz genau, aber irgendwie habe ich auch ein wenig Angst vor Dir. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie es passieren konnte, dass Du auf einmal weg warst.“

„Weißt Du Marie, ich verstehe Dich sehr gut. Ich war selber lange Zeit unendlich traurig, dass wir beide getrennt waren. Ein lieber Freund von mir hat mir dann sehr geholfen. Er meinte damals zu mir, wenn etwas zu Dir gehört, dann geht es auch nie verloren. Es ist immer da.“ Die Leichtigkeit lächelt Marie an und streckt ihr die geöffneten Arme hin.

Marie blickt der Leichtigkeit tief in die Augen, kann sich aber noch nicht durchringen die offenen Hände zu berühren.

„Ich habe Angst Dich anzunehmen. Ich weiß ganz tief in mir drinnen, dass Du ein Teil von mir bist. Ich bin jetzt aber so an Deine Abwesenheit gewöhnt, dass ich Angst habe. Ich habe das Gefühl ich habe keinen Platz mehr für Dich.“ Jetzt war es raus aus Marie und mit einer neuen Klarheit in ihren Augen kann sie der Leichtigkeit jetzt wirklich in die Augen sehen.

„Warum machst Du dann nicht Platz?“ bellt Pünktchen dazwischen. „Willst Du der Angst den Raum geben und dafür die Leichtigkeit draußen lassen? Da werde ich gleich richtig sauer – das verstehe ich nicht.“ Bellt Pünktchen jetzt in einem unsanfteren Ton.

Marie wendet sich zu Pünktchen. „Daran hab ich noch gar nicht gedacht. Glaubst kann ich die Angst ausquartieren?“

„Menschenskind bist Du doof!“ piepst es vom Boden her. Die kleine Maus hat sich jetzt auf ihre Hinterfüße gestellt und schaut Marie entrüstet an. „Du brauchst doch nur mal hinzusehen! Wo sitzt denn Deine Angst? Wie groß ist die denn?“

Marie schließt einen kurzen Moment die Augen, um ihren Körper ganz wahrzunehmen. „Die sitzt mir genau da über dem Herzen“, zeigt Marie mit der rechten Hand auf Ihre Brust.

„Na und wie sieht die Angst aus? Wie fühlt sie sich an? Sagt sie vielleicht auch noch ständig etwas?“ fiept die Maus. Es ist wirklich spannend, dass manchmal die Kleinsten, die Größten Ideen haben.

Marie konzentriert sich abermals auf ihren Körper. „Das schaut so aus wie ein Erdklumpen, der ganz fest zusammengepappt ist und auch noch Steine darin hat. Die Steine wären ganz schön spitz dadurch das sie im Dreck sind beschützt mich die Erde vor Ihren Verletzungen. Anfühlen tut es sich schwer. Es ist wie ein Rucksack für mich, nur dass er vorne auf der Brust klebt und ich keine Träger zum runternehmen finde. Sagen tut der Klotz da nichts. Aber ich merke in meinem Ohr ein Echo, das mir ständig wiederholt – Du kannst das nicht!“

Pünktchen ist ganz fasziniert von dem Dialog zwischen Marie und der Feldmaus. Auch die Leichtigkeit hört den Beiden aufmerksam zu. Sie geht aber ein wenig von Marie zurück.

„Frage mal nach, bei diesem Echo“, meint die Maus, „Woher es das weiß, dass Du das nicht kannst? Es kann es ja gar nicht wissen. Nur Du alleine entscheidest das.“

Marie schaut verwundert zur Maus. „Das hört auf mir ständig was zu sagen, wenn ich nachfrage. Das ist ja spannend. Woher weißt Du das alles? Darf ich fragen, wer Du bist?“

Die kleine Maus lächelt. „Schön.“ Meint die Maus, zieht ihren virtuellen Hut und verneigt sich halb vor Marie, Pünktchen und der Leichtigkeit. „Mein Name ist Pipo. Ich lebe mit meiner Familie hier schon ganz lange. Das Schöne bei uns ist, dass ich auf die gesamten Erinnerungen meiner Vorfahren zugreifen kann. Ich sehe das so, wie wenn ich im Kino sitze. Das was ich Dich gerade gefragt habe Marie, das weiß ich von Opa Max. der hat das mal gehört als der Herr vom Hof letzten Sommer mit einem kleinen Jungen da am Bach saß. Dem ging es ganz ähnlich wie Dir. Die Angst war soviel zu groß, dass er seine eigene Freiheit nicht annehmen wollte. Er hat sich nie getraut einfach mal loszugehen oder auf Entdeckungsreise zu gehen.“

„Oh cool Pipo. Dann bist Du ja eine richtige Wissensmaus. Was Du wohl sonst noch alles in Deinem Wissensfundus hast?“ bellt Pünktchen.

Pipo lächelt und deutet wieder eine Verneigung an. „Mit Verlaub, ich bin nur ein neugieriger Mäuserich und versuche alle nützlichen Erfahrungen für mich und die Meinen zu sammeln und zu teilen. Ihr habt mir Gehör geschenkt und so will ich gerne meinen Teil zu dem Heilen und wieder Leichtigkeit spüren beitragen. Es gibt nichts Schöneres auf der Welt als glückliche Wesen. Ob die jetzt zwei oder vier Beine haben ist mir einerlei.“

Marie , Pünktchen und die Leichtigkeit deuten nun ihrerseits eine Verneigung für den körperlich kleinen und doch so großen Mäuserich an.

„Also, das Echo ist jetzt weg?“ kommt Pipo zurück zu Marie. Als Marie nickt fährt der kleine Mäuserich fort. „Was ist jetzt mit diesem Klumpen und den Steinen. Hat sich da schon was verändert? Haben die Steine vielleicht eine Botschaft für Dich? Schau Dir doch mal einen nach dem anderen an.“

Marie schließt wieder die Augen, um ganz in ihrem Gefühl zu sein. Pünktchen und die Leichtigkeit sind ganz leise und schenken Marie ihre ganze Aufmerksamkeit und gute Gedanken. Beide wissen, das was hier vor sich geht eine ganz besonders wirksame und heilsame Medizin ist.

Marie ist jetzt ganz bei sich. Sie merkt, dass sie vor einigen dieser Steine Angst bekommt, dass es ein mulmiges Gefühl in ihr auslöst. Sie ist sich aber auch dessen bewusst, dass sie nicht alleine ist und das ihre Freunde sie jetzt mit ihrer ganzen Kraft unterstützen.

Plötzlich wird es leichter. Die Steine lösen sich aus diesem Klumpen auf ihrem Herzen und purzeln ihr in die Hände. Bei genauerer Betrachtung erkennt Marie, dass es ganz unterschiedliche Steine sind. Da ist ein vom Fluss geschliffener ganz runder dabei. Dann ist da ein relativ Dunkler dabei, der mit weißen Adern durchzogen ist. Einer dürfte sogar ein Kristall sein, der sieht dem Bergkristall in Großvaters Stube so ähnlich. Dann ist da noch ein gelber unförmiger Stein mit Kanten daran. Genauso wie da ein rosaroter runder mit weißen Einschlüssen dabei ist.

Je mehr Marie sich auf die Steine in ihrer Hand konzentriert, umso lebendiger werden die. Jeder Einzelne meldet sich bei Marie und will ihr etwas erzählen. Es ist so ein lautes durcheinander, dass Marie kein einziges Wort versteht. Sie denkt Ruhe – und siehe da, die Steine schweigen. Marie sieht jeden Einzelnen ganz genau an und mit ihren Gedanken lässt sie den Dialog zu einem nach dem anderen schweifen. Anfangen tut sie mit dem rosaroten runden. Woher er kommt und warum er da ist?

„Ich bin materialisierte Liebe“, erzählt der rosa Stein. „Ich weiß nicht wann das passiert ist, aber irgendwann war meine Bewegungsfähigkeit im Körper eingeschränkt. Ich fand mich auf einmal in einer festen Form wieder. Und ich konnte mich auch nicht mehr verständigen. Früher bin ich in Deinem ganzen Körper umhergeflossen. War hier und dort, egal wo gerade ein wenig Liebe gebraucht wurde. Marie, möchtest Du mich nicht wieder zu Dir lassen?“

Marie kullern erste Tränen über die Wangen. Sie ist ganz berührt von den Worten der Liebe. „Ich habe Dich so vermisst liebe Liebe. Du bist so plötzlich verschwunden, dass ich schon ganz verzweifelt war. Sehr, sehr gerne nehme ich Dich wieder in mich und bitte Dich die starre Form wieder aufzugeben und in mir zu fließen.“

Pünktchen, die Leichtigkeit und Pipo beobachten Marie und den rosarote Stein, der jetzt auch zu Ihnen diese Worte gesprochen hat. Jeder einzelne Anwesende erinnert sich an seine eigene in sich lebende Liebe. Ist sie noch in Fluss? Oder hat sie sich auch eine starrere Form ausgesucht.

Ist schon spannend oder? Da war Marie dabei die Leichtigkeit zu finden und hat dabei die Liebe getroffen. Die Liebe in sich, zu sich selbst und allen Wesen auf der Erde.

Was die anderen Steine noch mit haben für Marie und wie es ihnen ergeht, lest bitte in der nächsten Geschichte. Wenn Du selbst oder Dein Kind einen Impuls bekommen habt, wie Marie für Euch aussieht und welche Freunde Ihr begegnen, dann bitte nimm ein Blatt Papier und Farben und zeige uns Deine Marie und Ihre Freunde. Schickt es an info@zaubersterne.org und werdet so ein Teil der Geschichte. Euer Bild wird in die nächsten Geschichten integriert und so darf Marie auch ein Teil von Euch sein.